Die USA investieren in den kommenden zwei Jahren laut Reuters fast zwei Milliarden USD in die Forschung an Künstlicher Intelligenz (die Militärforschung ist hier nicht miteingerechnet). Die US-Privatwirtschaft steckt noch viel mehr Geld in den Bereich, da geht es bei den Großen wie Amazon oder Google um zweistellige Milliardenbeträge. Auch wenn man den Blick Richtung China wirft, wird es einem schwindelig angesichts der AI-Investitionsbeträge - einzelne Städte wollen da schon zweistellig (Mrd.) investieren. Die Bundesregierung hingegen sprach in der 2019 vorgestellten KI-Strategie von Investitionen von drei Milliarden Euro - allerdings verteilt bis 2025.  

AI braucht Talente und Rechenleistung, beides ist teuer. Es kann also sehr gut sein, dass die schlausten Lösungen aus den Ecken der Welt kommen werden, die viel investieren. Und aus Europa? Vielleicht die am besten regulierten? Die, die ethisch korrekt handeln, in Bezug auf Privacy, Erklärbarkeit, Nicht-Diskriminierung etc? Das ist doch unsere Marktlücke, oder? "Geht es nach der EU-Kommission, dann muss Europa im Hype rund um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz mit vertrauenswürdiger KI punkten." - Solche Sätze hört man landauf, landab. Ethische KI soll uns bzw. unsere Wirtschaft ins nächste Jahrzehnt retten. Dass wir uns da mal nur nicht in die Tasche lügen...

Die Uni Harvard hat nun ein Whitepaper veröffentlich, das 36 bedeutende Initiativen rund um das Thema Ethische KI listet. Diese werden von staatlichen oder überstaatlichen Akteuren getragen, von privaten Organisationen und auch Großunternehmen. Im Whitepaper ist schön zu sehen, welche Initiative welche Aspekte des Themas behandelt. Kurzum: Wir sind lange nicht die Einzigen, die sich mit der Regulierung von KI beschäftigen. 

Vernünftige Regeln und eine breite Kommunikation derselben sind zentrale Voraussetzungen für die Akzeptanz von KI. Deutschland und Europa haben sich durchaus Glaubwürdigkeit im Bereich der nachhaltigen Regulierung erarbeitet. Das kann uns jetzt zugute kommen - aber ausruhen brauchen wir uns auf den Lorbeeren nicht.